Der FOCUS-Reporter Christian Liebig kam im April 2003 im Irak-Krieg ums Leben. Seit zweieinhalb Jahren engagiert sich die nach ihm benannte Stiftung für Kinder in Afrika. Im Januar wurde die Christian-Liebig-Secondary-School in Malawi eröffnet. Lesen Sie im Interview mit der Vorsitzenden Beatrice von Keyserlingk alles über die aktuellen Projekte der Christian-Liebig-Stiftung in Afrika.
Frau von Keyserlingk, die Christian-Liebig-Stiftung kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Was waren Ihre größten Erfolge?
Mit Sicherheit war das schönste und greifbarste der tatsächliche Schulbeginn der Christian-Liebig-Secondary-School in Malawi. Im Januar wurde mit 160 Kindern der Unterricht an unserer Schule aufgenommen.
Wie sieht das Leben an der Christian-Liebig-Secondary-School ein Jahr nach der Eröffnung aus?
Wir erwarten für das nächste Schuljahr weitere 160 Kinder. Aus dem letzte Jahrgang sind leider 25 Kinder vorzeitig ausgeschieden. Die Gründe dafür sind vielfältig: Frühe Schwangerschaften, die Arbeitskraft wird zuhause benötigt oder die Kinder werden plötzlich zu Waisen. Oft fehlt auch einfach nur das Schulgeld. Dieses Problem wollen wir mit Stipendien für bedürftige Kinder lösen. Im nächsten Jahr wollen wir außerdem eine selbstständig organisierte Schulspeisung auf den Weg bringen. Es bleibt aber viel zu tun: Die Schule ist zum Beispiel immer noch ohne Wasser und Strom.
Zusammen mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen wollen Sie zehn weitere Grundschulen bauen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und wie sieht das Projekt konkret aus?
An dem Projekt haben uns vier Dinge besonders gefallen: Die großflächige Wirkung, das Engagement in Malawi, die Förderung durch Nelson Mandela und das Versprechen des Reeders Peter Krämers, jeden Hilfsansatz in diesem Jahr finanziell zu verdoppeln. Wir waren selbst vor Ort und haben dabei festgestellt, dass es in vielen Fällen sinnvoller ist, vorhandene Schulen zu renovieren oder auszubauen als neue zu bauen. Oft sind die Schulen bereits etabliert, aber in einem so katastrophalen Zustand, dass schon aus diesem Grund Schüler wegbleiben, Lehrer kündigen oder Klassenzimmer die Regenzeit nicht überstehen. Wir haben noch viel zu tun, aber kompetente Partner gefunden, um unsere Ziele umzusetzen.
Wir haben dieses Mal sehr viel mehr vom Land gesehen und mit sehr viel mehr Menschen gesprochen als bei unseren letzten Besuchen. Es sind oft kleine Sachen, die im Nachhinein als bewegendste Momente einer Reise in Erinnerung bleiben. Christian Paulmann, Vorstandsmitglied und einer der besten Freunde Christian Liebigs, und ich haben beide Patenkinder in Malawi. Einen Tag unserer Reise haben wir genutzt, um seinen Patensohn in den Bergen im Bezirk Mpuka zu besuchen. Dort trafen wir Menschen, die zum Teil noch nie Weiße gesehen haben und erst sehr scheu waren. Als wir uns aber dazu setzten und anfingen mit den Kindern zu spielen, war die Zurückhaltung vorbei und wir hatten unheimlichen Spaß.
16.12.2005
