Aenne Burda stört sich nicht an der Schäbigkeit der Behausung. In schwarzen Lettern auf weißem Grund lässt sie 1949 „Modenverlag A. Burda“ auf die ruinöse Hausfassade pinseln. Der Wirtshaussaal, in dem es noch immer nach Tropfbier stinkt, ist Sitz ihres Verlags, der Stuhl hinter dem Schreibtisch im ersten Stock ihr Chefsessel.
Was der Senator gemacht hat, war ja gut und schön, aber ohne Aenne hätte das alles nie existiert, das Modeimperium hat sie gemacht“, zollt Karl Lagerfeld der Freundin Respekt. Und ThyssenKrupp AG-Ehrenvorsitzender Berthold Beitz glaubt: „Ohne Aenne und Burda Moden wäre der Laden gar nicht so groß geworden.“ Für ihn, der das Ehepaar in den 50er Jahren kennenlernte, war Aenne die größere Unternehmerpersönlichkeit.
„Sie war ein Naturtalent“, sagt Beitz und bewundert, dass sie stets aus einem sicheren Gefühl heraus, klar und ohne zu zögern gehandelt habe. Keine Zweite in Deutschland habe aus dem Nichts ein solches Unternehmen geschaffen, so der Großindustrielle: „Sie ist die Wirtschaftswunderfrau!“
„Mein Gott, war das eine herrliche Zeit“, sagte Aenne Burda einmal rückblickend: „Ich hab’s erlebt, das Wirtschaftswunder. Das war die schönste Zeit meines Lebens!“ In wenigen Jahren wird „Burda Moden“ Marktführer und im September 1977 schreibt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“: „Burda Moden ist die größte Zeitschrift dieser Art in der Welt.“ Aenne Burda baut neue, große Verlagshäuser, verkauft 1989 70 Millionen Druckerzeugnisse und zehn Millionen Einzelschnitte, ist Chefin für 570 Mitarbeiter: „Ich habe in der Zeit, die mir zur Verfügung stand, alle Höhen und Tiefen durchlaufen, hatte ein erfülltes Leben. Die Arbeit hat mich glücklich gemacht.“
Ute Dahmen
