Die Gaswerkstraße im badischen Offenburg ist grau und trist. Vierstöckige, schmucklose Mietshäuser ohne Balkon oder Loggia, vor der Jahrhundertwende gebaut, um Wohnraum für die Eisenbahner zu schaffen. Eine typische Arbeitersiedlung. Hier lebt Franz Lemminger, Heizer bei der Bahn, mit seiner Frau Maria und dem kleinen Sohn Eugen. Die Drei-Zimmer-Wohnung im Haus Nummer 13, dritter Stock, ist blitzblank geputzt. Im Elternschlafzimmer steht ein Körbchen mit frischgestärkten Kissen bereit. Bald muss es losgehen. Maria ist hochschwanger und erwartet stündlich ihr zweites Kind.
Es ist der 28. Juli 1909, der Geburtstag von Anna Magdalene Lemminger. Sie wächst in bescheidenen Verhältnissen als mittleres von drei Kindern auf, besucht Volks-, Kloster- und Höhere Handelsschule, macht eine Lehre beim Elektrizitätswerk, indessen mit Kaiserreich, Erstem Weltkrieg, Weimarer Republik und Drittem Reich komprimiert deutsche Geschichte geschrieben wird.
Es ist der 28. Juli 1909, der Geburtstag von Anna Magdalene Lemminger. Sie wächst in bescheidenen Verhältnissen als mittleres von drei Kindern auf, besucht Volks-, Kloster- und Höhere Handelsschule, macht eine Lehre beim Elektrizitätswerk, indessen mit Kaiserreich, Erstem Weltkrieg, Weimarer Republik und Drittem Reich komprimiert deutsche Geschichte geschrieben wird.
Am 9. Juli 1931 heiraten Anna Lemminger und Dr. Franz Burda
Schon als kleines Mädchen träumt Anna von Höherem, etwas Besonderem, einem Leben außerhalb ihrer Eisenbahnerwelt. Mit eisernem Willen verfolgt sie ihr Ziel. 1931 heiratet sie den aufstrebenden Buchdrucker und Verleger Dr. Franz Burda. Das Paar bekommt drei Söhne und die 40-jährige Frau Burda 1949 eine einmalige Chance. Ihr Mann überlässt ihr einen defizitären Schnittmusterverlag: Das ist die Geburtsstunde von „Burda Moden“.
Nahezu atemlos erfolgt jetzt der kometenhafte Aufstieg der Verlegerin Aenne Burda: Eine halbe Million verkaufte Auflage 1957, eine Million 1965, 1,5 Millionen 1967. 1989, nach der Öffnung des Ostens, verkauft „Burda Moden“ mehr als vier Millionen Exemplare. Aenne Burda leitet den größten Modeverlag der Welt. Zwei Jahre zuvor, 1987, gingen Fernsehbilder der Offenburger Verlegerin um den Globus: Sie publizierte mit „Burda Moden“ das erste westliche Magazin in der Sowjetunion und wurde von Raissa Gorbatschowa in Moskau wie eine Königin empfangen.
Mit Willensstärke, Tatkraft, Disziplin, Klugheit und Charme verwirklichte Aenne Burda ihre Träume und arbeitete sich als dreifache Mutter an die Spitze der deutschen Nachkriegsunternehmerinnen. Noch immer ist sie Vorbild für junge Frauen, auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und für ihre persönlichen Ziele zu kämpfen.
Ute Dahmen
Nahezu atemlos erfolgt jetzt der kometenhafte Aufstieg der Verlegerin Aenne Burda: Eine halbe Million verkaufte Auflage 1957, eine Million 1965, 1,5 Millionen 1967. 1989, nach der Öffnung des Ostens, verkauft „Burda Moden“ mehr als vier Millionen Exemplare. Aenne Burda leitet den größten Modeverlag der Welt. Zwei Jahre zuvor, 1987, gingen Fernsehbilder der Offenburger Verlegerin um den Globus: Sie publizierte mit „Burda Moden“ das erste westliche Magazin in der Sowjetunion und wurde von Raissa Gorbatschowa in Moskau wie eine Königin empfangen.
Mit Willensstärke, Tatkraft, Disziplin, Klugheit und Charme verwirklichte Aenne Burda ihre Träume und arbeitete sich als dreifache Mutter an die Spitze der deutschen Nachkriegsunternehmerinnen. Noch immer ist sie Vorbild für junge Frauen, auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und für ihre persönlichen Ziele zu kämpfen.
Ute Dahmen
